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 Der Heimflug

„Wie geht es Ihrer Frau?“ fragte Annette den Mann.

Er sah sichtbar genervt von seinem Buch auf. Antwort? Fehlanzeige.

„Kennen Sie mich nicht mehr? Ich saß auf dem Hinflug neben Ihrer Frau.“

„Belästigen Sie mich bitte nicht.“ Er drehte sich unwirsch zur Seite und las weiter.

„Ich hatte mir Sorgen um sie gemacht wegen der Magenkrämpfe.“ So schnell gab Annette nicht auf..

„Hallo Schatz,“ schwebte plötzlich eine blonde Frau durch den Mittelgang heran.

„Da bist du ja!“ sagte der Mann lächelnd. „Sie sehen also, meiner Frau geht es blendend.“ Er stand auf, damit sie an den Festerplatz rutschen konnte. “Rette mich vor dieser Irren. Sie sorgt sich um deine Magenkrämpfe!“

Die Frau blickte Annette an.  „Ach ja? Ich erinnere mich nicht. Vielleicht habe ich mal wieder zu viel über jede Unpässlichkeit geredt. Sollte ich mir abgewöhnen.“

„Das scheint mir aber auch!“ sagte der Mann gereizt. „Ich hasse es, von fremden Leuten angesprochen zu werden!“

„Ich wollte nur wissen, ob das Mittel gewirkt hat.“

„Das Mittel? Habe ich zum Glück nicht gebraucht!“ Die Blonde blickte gelangweilte auf die Wolken vor dem Flugzeugfenster.

Annette biss sich auf die Lippen und ging weiter. Zwei Reihen noch, dass saß sie wieder neben ihrer Freundin Swenja.

„Was ist los? Hast du Geister gesehen?“

Annette nickte. „Fast. Ich habe auf dem Hinflug mit dieser Frau da drüben geplaudert und Adressen ausgetauscht, während der Mann schlief. Und jetzt kennte sie mich nicht mehr!“

„Vielleicht verwechselst du sie.“

„Nein, irgendwas stimmt da nicht. Die hatten drei Wochen Urlaub gebucht und nicht nur eine wie ich. Außerdem wollte die Frau sich scheiden lassen.“ Annette drehte sich um und beobachtete das Paar. Viel konnte sie von der Frau nicht sehen. Nur die Hand, die...

„Das ist es!“ sagte sie. „Sie hatte auf der rechten Hand eine helle Narbe. Diese Frau nicht.“

„Zwillingsschwester!“ sagte Swenja spontan. Annette war verblüfft. Die Frau hatte von einer Schwester gesprochen. Sie verstanden sich nicht. Aber wieso war die jetzt hier? Ein Seitensprung? Annette konnte sich nicht konzentrieren. Sie las die Überschrift in ihrer Zeitung zum dritten Mal. Die Zeitung aus Island. Sie verstand nichts. Sie zwang sich, an etwas anderes  zu denken und bestellte bei der Stewardess zwei Piccolo Sekt.

„Danke für die gemeinsame Woche!“ Swenja erhob ihren Pappbecher mit Sekt: „Die Woche mit dir war tausendmal anregender als die Woche, die ich allein dort verbracht habe. Ich werde bestimmt wieder nach Island reisen.“

„Ich auch!“ nickte Annette – und schlug die Hand vor den Mund.

„Hast du das gelesen?“ raunte sie. Sie zeigte auf die Zeitung.

„Unfall auf Island,“ las Swenja. „Na und?“

„Lies weiter!“

„Eine unbekannte blonde Tote wurde am Fuße der Klippen von Vogelkundlern gefunden... Ja... blond. Ach, Annette, das ist ein Zufall!“  „Wahrscheinlich,“ sagte Annette ohne Überzeugung. „Aber ich fürchte, die Tote hat eine kleine weiße Narbe auf der rechten Hand.“

***

 

 

Altempflege

„Die alte Dame, die ich jetzt pflege, hat eine Macke!“ sagte Annabel.

„Haben das nicht alle deine Patienten?“ lachte Martin.

„Die hat eine Tasche voller Tausender im Kleiderschrank.“

Ein Zeitlang schwiegen die beiden.

„Und wie ist die Frau drauf?“ sagte Martin langsam.

„An sich ganz gut. Pfiffig für ihr Alter!“

„Könntest du sie in ein Gespräch verwickeln?“ sagte Martin.

Annabel lächelte. So eine Tasche, dicht gefüllt mit Scheinen, was könnte man damit nicht alles machen. Nie mehr arbeiten. Den Sommer im Süden verbringen. Und den Winter auch. Ein Segelboot kaufen und aussteigen. Auf Nimmerwiedersehen. Keine alten Frauen füttern. Keinen alten störrischen Männern mehr den Einkauf machen. Keinen Landregen und keinen Nebel.

Annabel wollte am folgenden Tag beim Besuch die Wohnungstür offen lassen und die alte Dame in ein Gespräch verwickeln. Martin würde nach ihrem skizzierten Lageplan ins Schlafzimmer schleichen, die Einkaufstasche samt Inhalt in seinen Rucksack stopfen und lautlos wieder verschwinden. Wenn die Frau irgendwann die Tasche vermisste, könnte niemand nachvollziehen, wann und welche der vielen Leute, die die alte Dame versorgten, die Tasche gestohlen haben könnte.

Annabel ließ die Tür angelehnt und schnitt das Thema Enkelkinder an. Und schon kam die alte Dame mit Fotos der Kleinen, mit Zeichnungen und Basteleien. Sie war in ihrem Element. Als Annabel die Medikamente aus dem Schlafzimmer holen sollte, genügte ein Blick in den Kleiderschrank. Es  hatte geklappt. Sie konnte in Ruhe das Haus verlassen.

„Ich habe ein Problem,“ sagte die alte Dame in der Wohnungstür. Sie forderte Annabel auf sich zu setzen und erzählte ihr von ihrem Sohn. Der  saß in Untersuchungshaft und hatte vor seiner Verhaftung eine Tasche Geld bei ihr abgestellt. Was sollte sie nur damit machen? Gab sie das Geld bei der Polizei ab, stellte die dumme Fragen und sie belastete ihren Sohn.

„Geben Sie es aus oder spenden Sie es einer gemeinnützigen Institution!“ sagte Annabel.

„Das geht nicht!“ sagte die Dame nachdenklich. „Es ist Falschgeld!“

„Was?“ rief Annabel entsetzt.

„Sehen Sie!“ sagte die Dame. „Das ist mein Problem!“

Annabel machte ihr einen Vorschlag, verbrennen oder Rechtsanwalt einschalten oder was ihr auf die Schnelle einfiel. Sie musste Martin warnen!

„Mein Gott! So spät!“ sprang sie auf und verabschiedete sich hastig. Vor dem Haus wühlte sie das Handy aus der Handtasche und wählte Martins Nummer.

„Gib kein Geld aus!“ rief sie in die Sprechmuschel.

„Zu spät!“ sagte er. „Die Polizei sitzt hier...“

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Manchem bringt der Euro Glück

„Sind Sie Frau Henriette Marxen?“ fragte der Hüne mit einer Verbeugung. Sein blonder Partner trug einen Aktenkoffer. „Ja, die bin ich,“ sagte Henriette durch den Türspalt, den ihre Sicherheitskette zuließ. „Wir kommen von der Europäischen Zentralbank in Brüssel,“ sagte er. „So.“ „Wie Sie wissen, wird die Deutsche Mark im nächsten Jahr ungültig.“ Henriette seufzte. „Bald gibt es den Euro.“ Sie nickte. „Wir von der Europäischen Zentralbank helfen älteren Leuten, Gehbehinderten und Kranken schon jetzt beim Umtausch, um ihnen längere Wartezeiten zu ersparen.“ Der Hüne hielt ihr einen Ausweis in den Türspalt. „Wir sind befugt, - sofern Sie es wünschen - an der Haustür Ihre Deutsche Mark entgegenzunehmen und Ihnen sofort und unbürokratisch dafür die entsprechende Menge Euros zu geben. Die allerdings können Sie erst im nächsten Jahr ausgeben. Das wissen Sie ja.“ „Natürlich,“ sagte Henriette. „Wichtig ist,“ sagte der Blonde, „dass Sie auch an Ihr Geld in Sparschweinen, Extrakassen und Sparstrümpfen denken.“ Henriette überlegte. „Zur Übung sozusagen? Oh ja,“ sagte sie, ließ die Tür den Kettenspalt weit offen stehen, humpelte in die hinteren Räume. „Hoffentlich hat sie kapiert, was wir wollen,“ sagte der Hüne. Henriette kam wieder zurück. „Meine Urlaubskasse,“ sagte sie und hielt ihm ein paar Scheine hin. Der Hüne holte den Taschenrechner heraus und tippte ein. „Sie haben sogar noch Glück,“ sagte der Blonde. „Bei uns brauchen Sie keinerlei Umtauschgebühr zu zahlen. Nicht wie bei den Banken,“ sagte er weiter. „Die verdienen sich doch dumm und dämlich, im nächsten Jahr.“ „Manchem bringt der Euro Glück!“ sagte Henriette. Der Blonde kicherte. „Also,“ der Hüne blickte von seinem Taschenrechner auf, „Für Ihre 200 D-Mark kriegen Sie von uns 102 Komma 24 Euro, nein, Komma 26 Euro.“ Er hielt einen Augenblick inne, „und weil Sie es sind, runden wir auf 103 Euro auf. Was sagen sie nun?“ „Fein!“ Henriette streckte ihre Hände nach den Scheinen aus. „Jetzt müssen Sie nur noch den Tausch bestätigen. Bitte unterschreiben Sie hier.“ Er reichte ihr Block und Schreiber durch den Türspalt. „Entschuldigung,“ sagte Henriette. „Ich lassen immer die Kette vor.“ „Man kann nicht vorsichtig genug sein,“ bestätigte der Hüne und ließ seine Zähne blitzen. Sie gab ihm den unterschriebenen Zettel zurück. „Eigentlich schade,“ sagte sie. „Ich hab ja noch mehr. Aber ich komm da heute nicht ran.“ Sie zuckte die Achseln. „Pech gehabt!“ „Aber, aber, Frau Marxen. Das ist für uns doch kein Problem. Sagen Sie uns nur, wann Ihnen Ihr Geld zur Verfügung steht, und wir sind da.“ Henriette strahlte. „Wirklich?“ „Aber natürlich. Dafür ist dieser Hilfsdienst doch eingerichtet.“ „Ja, wenn das so ist. Morgen gegen 11 Uhr. Es ist aber ziemlich viel Geld.“ „Das macht nichts.“ „Ein ganzer Koffer.“ „Sie sagen uns vorher Bescheid, dann ist alles kein Problem.“ Sie beugte sich vor und flüsterte: „Eigentlich gehört es meinem Sohn.“ „Das macht nichts.“ „Mein Sohn ist nämlich in Australien.“  Henriette senkte den Kopf und blickte auf ihre Finger. „Ich sag immer Australien. Wegen der Nachbarn. Er kommt ja erst in ein paar Jahren raus. Wie gesagt, morgen hab ich den Koffer.“

         Am nächsten Morgen öffnet Henriette dem Hünen und dem Blonden die Tür. „Kommen Sie herein. So eine Sache geht nicht an der offenen Tür.“ Sie bittet die Herren ins Wohnzimmer. „Ich koche erst mal einen Kaffee,“ sagt sie und verschwindet in der Küche. „So, wir zählen und tauschen bündelweise um,“ sagt der Hüne und setzt sich. Der Blonde bleibt stehen „Ich bin dafür, wir schnappen das Geld und hauen ab!“ „Das gefällt mir aber gar nicht!“ kommt plötzlich eine Stimme aus der Ecke. „Polizei!“ Ein Mann mit Pistole hält eine Dienstmarke hin. Ein zweiter Mann tritt hinter dem Schrank hervor. Legt dem Blonden  und dem Hünen Handschellen an. „Alles erledigt, Frau Marxen. Auf die Erfassung der beiden Ganoven ist eine Belohnung ausgesetzt.“ „Die kriegt ich wohl jetzt, Herr Kommissar.“ „Richtig!“ „Manchem bringt der Euro Glück!“ sagt Henriette.

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Das Anwesen

 „Ich wollte nur mal schauen, ob Sie etwas brauchen,“ sagt Sebastian Antweiler in der Haustür. Die alte Dame scheint nicht zu verstehen. „Ich bin der Anlageberater Ihres Mannes gewesen“, setzt er nach. Da erwachen die Augen der Frau. „Kommen Sie herein“, sagt sie. Alte Leute wollen immer etwas erzählen, das weiß er schon. Auch ihr Mann hatte immer etwas zu erzählen. Und sonst hat er ihn machen lassen. Hatte von nichts eine Ahnung. Das sind die idealen Kunden.   

 „Leider hatte Ihr Mann ja nicht so viel Glück. Tut mir sehr leid für ihn. Aber es war wirklich nicht meine Schuld.“ Es ist immer gut, das Problem von sich aus anzusprechen. Er musste ja ganz schön bluten. Davon lebt man als Anlageberater schließlich. 

 „Ich habe ihn noch gewarnt“, sagt er. „Aber Sie kennen ja Ihren Mann. Ganz leicht war es nicht mit ihm.“ Mit jedem Ehemann hat man es nicht ganz leicht, selbst mit Pantoffelhelden nicht. Tatsächlich stimmt sie ihm zu. So einfach ist das. „Das Schlimme“, sagt die alte Dame, „er hat noch anderweitig nicht so viel Glück gehabt. Ich hab immer gesagt, laß uns das zusammen entscheiden.“ Sie nimmt ihr Spitzentaschentuch an den Mund, wartet, bis sich das Beben ihrer Lippen beruhigt. Dann zuckt sie die Schultern. „Ich bin praktisch pleite.“ Dabei hat sie gehofft, im Alter von ihrem Vermögen leben zu können.

„Aber meine Dame, Sie haben doch dies herrliche Anwesen...“ Man muss immer loben und zustimmen, damit man etwas erfährt. „Ich meine, so ein Grundstück in dieser Gegend“, er steht auf, tritt an die Fensterfront „mit Blick auf den See, links der Wald, rechts ein Nachbar, den Sie nur mit Fernglas erkennen“, er geht auf sie zu, nimmt ihre Hand in beide Hände, „das sind doch Werte, meine Dame!“

Sie scheint seine Meinung nicht zu teilen. „Kann ich das Grundstück essen?“ Typisch reiche Leute. In Sachwerten nur so schwimmen und noch stöhnen. „Ich habe keinerlei Einkünfte mehr.“ Als ob man das Haus mit allem Drum und Dran nicht beleihen kann. Das ist doch ein Schmuckstück „Wissen Sie, es ist ja nicht so, dass mir die Sparkasse nichts geben würde. Aber es gehört mir noch nicht. Der bürokratische Kram dauert. Doch ich brauche das Geld jetzt. Und ich brauche sehr viel Geld.“ Will sie noch den großen Zampano machen, in ihrem Alter? Dabei sieht sie so mickerig und elend aus in dem schwarzen Kleid. „Ich muss übermorgen... das Unglück erreicht einen in jedem Winkel... ich muss übermorgen ins Krankenhaus.“ Sie weint doch nicht etwa. Das kann er nicht ausstehen. Na, sie fängt sich noch. „Es gibt Erscheinungen im menschlichen Körper...“, sie atmet tief. „Mein Arzt sagt, ich hätte früher kommen sollen. Im Frühstadium, da kann man noch was machen. Aber bei der familiären Vorbelastung. Meine Mutter. Sie war auch davon befallen. Und sie war noch so jung. Viel zu jung. Da darf ich mich nicht beklagen in meinem Alter. Das kann blitzschnell gehen, sagt der Arzt. Das ist nicht mehr das Problem, in meinem Alter muss man immer damit rechnen. Und mein Mann ist ja nun auch nicht mehr. Was will ich denn noch hier.“

Was will sie ihm denn noch vorjammern. Man darf sich nicht mit anderer Leute Sorgen belasten. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Beherrschung ist alles. „Aber, aber, meine Dame!“

Die alte Dame gibt sich einen Ruck. „Ich brauche morgen Geld“, sagt sie. „Medikamente, Einzelzimmer im Krankenhaus und die Pflege. Das ist ja kein Pappenstiel, so eine Operation. Man weiß nicht, was da noch kommt.“ So ist es gut. Leute, die jetzt und sofort Geld brauchen, sind die sichersten. Die unterschreiben alles. Man muss nur warten. Auf welchem Wege sie das Geld haben wollen. Und welche Sicherheit sie bieten. „Meine Mutter hat ihr Haus damals noch auf Leibrente... das macht heute ja keiner nicht mehr.“

Jetzt hat er sie da. Oder sie hat sich da selbst hinein manöveriert. Jetzt kann er sich selbst ins Gespräch bringen. Jetzt frisst sie ihm aus der Hand. Nur seinen Notar will sie nicht. Da ist sie stur. Sie kann nicht in die Stadt fahren, sagt sie. Das ist aber nicht so wichtig. Hier gibt es ja auch Notare.

Die alte Dame überschreibt ihm tatsächlich das Haus, das Seestück, die Weiden, den Wald. Für ein paar Monate wird er viel Geld zahlen müssen. Aber dann wird er am Ziel sein. Das ist nur eine Frage der Zeit. Er kann sich glücklich schätzen. Er kann nicht sagen, was es ist. Ist es Mitleid oder Misstrauen? Irgendwie geht es ihm zu leicht. Zu glatt. Sie ist zu allem bereit. Kein Widerstand. Sie unterschreibt, ohne zu zögern. Wer so naiv ist, der gehört bestraft. Sie will gleich die erste Zahlung in bar haben. Das Nachhausebringen lehnt sie ab und fährt mit der Taxe. Das ist das letzte, was er von ihr sieht, eine blasse magere Gestalt in Schwarz.

 Im März blühen die Forsythien auf seinem zukünftigen Grundstück, im April die Rhododendronbüsche und im Mai stehen die Apfelbäume in rosa Pracht. Aber es ist immer noch nicht seins. Die Überweisungen werden regelmäßig abgebucht. Weder vom Rechtsanwalt noch vom Amtsgericht kriegt er einen blauen Brief. Obwohl schon ein halbes Jahr vergangen ist.

Als das erste Laub fällt, erkundigt er sich bei seiner zukünftigen Nachbarin nach der alten Dame. Er mache sich Sorgen. Die Nachbarin lacht. Das brauche er nicht.

„Wegen der Operation damals.“

„Das war doch nur das Hühnerauge.“

Er versteht nicht. Ihre Mutter ist doch auch daran gestorben. „Am Hühnerauge? Nein. Die hat doch letztes Jahr erst ihren sechsundneunzigsten Geburtstag gefeiert. Wir sind eine zähe Familie, sagt meine Nachbarin immer. Und ihre Mutter ist so fit, dass sie mit ihrer Tochter nach Venedig gefahren ist.“

Er versteht nicht. „Ihre Tochter?“

„Ja. Meine Nachbarin. Und ihre sechsundneunzigjährige Mutter. Venedig. - Ist Ihnen nicht gut?“

 

***

 

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